Der von der BOKU im Auftrag der Stadt Wien entwickelte ZiFa 1.0 betrachtet acht Indikatoren: von Materialeinsatz und Ökobilanz über Nutzungsintensität, Flexibilität und Langlebigkeit bis zu Rückbau, Wiederverwendung, Recycling und Entsorgung. Der Grundgedanke: Vorrang haben Langlebigkeit und eine vielseitige Nutzung. Erst wenn Erhalt und Weiternutzung nicht mehr möglich sind, kommt die Verwertung von Baustoffen ins Spiel.
Die FCP hat ausgewählte Kriterien des ZiFa 1.0 bereits 2024 im Rahmen der Planung des Bildungscampus Nordwestbahnhof freiwillig erprobt. Schon früh ließen sich Kriterien wie Geschosshöhen, Flächeneffizienz und Mehrfachnutzung mit überschaubarem Aufwand bewerten. Die Dokumentation schnitt gut ab, aber es gab auch Bereiche mit Verbesserungspotenzial, etwa bei der Zugänglichkeit haustechnischer Leitungen. Die Erprobung war eine Teilbewertung, keine vollständige ZiFa-Berechnung.
Die Erfahrung zeigt: Eine Bewertung ist vor allem dann wertvoll, wenn sie Planungsentscheidungen beeinflusst. Bei der Bearbeitung von Bauteilaufbauten prüfen wir deshalb neben der Ökobilanz auch Trennbarkeit, Austauschbarkeit und Reparaturfähigkeit. Lösbare Verbindungen und ein möglichst einfacher Schichtenaufbau erleichtern einen späteren Rückbau. Ein materieller Gebäudepass, verknüpft mit BIM-Modellen und Aufbautenkatalogen, kann die dafür erforderlichen Informationen dauerhaft verfügbar machen. Die Herausforderung liegt in konsistenten Mengen, Materialangaben und Schnittstellen zwischen Fachplanungen. Digitale Datendurchgängigkeit ist daher entscheidend für belastbare Nachweise. Wichtig bleibt: Kreislauffähigkeit allein garantiert noch keine gute Umweltbilanz.
Derzeit wird ZiFa 1.0 an realen Projekten getestet und zur Version 2.0 weiterentwickelt. Bis Ende 2026 soll daraus eine praxistaugliche Bewertungsmethodik mit Ziel- und Grenzwerten sowie unterstützenden Werkzeugen entstehen. Erste weiterentwickelte Kriterien kamen bereits beim Wiener Bauträgerwettbewerb Eibengasse zum Einsatz.
Der ZiFa ist damit nicht bloß eine zusätzliche Kennzahl. Er hilft, Kreislaufwirtschaft in konkrete, frühzeitig überprüfbare Planungsentscheidungen zu übersetzen – und schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Architektur, Bauphysik, Tragwerksplanung, Haustechnik und Bauherrschaft.
Wie lassen sich Anforderungen an die Kreislauffähigkeit von Gebäuden konkret nachweisen? Im Seminar „Gebäudezertifizierung: Vertiefende Aspekte der Zertifizierung und Nachweisführung“ der Digitalakademie zeigt Christian Sustr, welche Zertifizierungssysteme, Daten und digitalen Werkzeuge dabei unterstützen. Anhand praktischer Beispiele lernen die Teilnehmenden, wie Bewertungen vorbereitet und durchgeführt werden können.
Mehr zum Seminar und zur Anmeldung

Autor: Christian Sustr, Leitung Akustik, Baudynamik, Bauphysik & Messtechnik bei FCP Fritsch, Chiari & Partner und Vortragender bei der Digitalakademie
Wir ersuchen um Ihre Zustimmung für Cookies. Marketing-Cookies werden erst mit Ihrer Zustimmung verwendet, unsere Website ist werbefrei.