Was bedeutet das konkret? Künftig muss das Treibhauspotenzial von Neubauten verpflichtend über den gesamten Lebenszyklus ausgewiesen werden. Dies reicht von der Herstellung (A1–A3) über die Errichtung (A4–A5), Nutzung und Austausch (B1–B4), Energiebedarf im Betrieb (B6) bis hin zu Rückbau und Entsorgung (C1–C4) sowie Potenzialen jenseits der Systemgrenze (D). Bilanziert wird das gesamte Gebäude inklusive der Haustechnik mit Bezug auf die konditionierte Bruttogrundfläche.
Für die Berechnungen kommen künftig Primärdaten, wie Umweltproduktdeklarationen (EPDs), oder die offizielle OIB-GWP-Datenliste für generische Werte zur Anwendung. Langlebige Konstruktionen, der Einsatz wiederverwendeter Bauteile und biogene Kohlenstoffspeicherkönnen sich positiv auf die Ökobilanz auswirken.
Der Zirkularitätsfaktor (ZiFa) Wien schlägt die Brücke zur Praxis für Themen wie echte Kreislauffähigkeit, die im begleitenden OIB-Leitfaden in eher unverbindliche Orientierungshilfen verlagert sind. Diese thematische Nähe erleichtert es Planungsbüros, die Ziele des Leitfadens und das Bewertungssystem des ZiFa parallel zu denken. Beide orientieren sich dabei an denselben zentralen Handlungsfeldern der Kreislaufwirtschaft entlang des Gebäudelebenszyklus:
Für Planende bedeutet diese normative Entwicklung eine absehbare Umstellung im Workflow, bei der die Ökobilanzierung schrittweise zum Standard wird. Entscheidend für die Praxis ist hierbei der konkrete zeitliche Ausblick auf die stufenweise Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie.
Demnach muss bis zum 1. Jänner 2027 zunächst ein Fahrplan zur Einführung von Grenzwerten für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial vorliegen. Das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial muss ab 2028 für neue Gebäude mit einer Fläche von mehr als 1.000 m² und ab 2030 für alle neuen Gebäude berechnet und im Energieausweis ausgewiesen werden.
Wie lassen sich Ressourcen schonen und Materialien möglichst lange im Kreislauf halten? Im Seminar „Kreislauffähiges Bauen – Bauweisen, Bautechnik“ der Digitalakademie zeigt Thomas Romm, worauf es bei der Planung und Umsetzung ankommt. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit vorhandenen Ressourcen, kreislauffähige Baustellenlogistik und verwertungsorientierter Rückbau.
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Autor: Thomas Romm, Initiator von BauKarussell, Gründer und Geschäftsführer von forschen planen bauen ZT und Vortragender der Digitalakademie
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